Präludium der Kälte | Cooperativa Maura Morales

Präludium der Kälte
Ein Tanzstück von Cooperativa Maura Morales

Die Kälte zieht ein in unsere Körper. Kriecht unter die Haut, fährt in die Knochen bis hinein ins Mark. Vertreibt Wärme, Liebe, Resonanz. Präludium der Kälte heißt die neueste Produktion der Cooperativa Maura Morales, ein Vorspiel zur Erkaltung des menschlichen, des weiblichen Körpers. Eine Erkaltung, die sich gerade in der „berührungslosen Zeit“ unserer Gegenwart besonders festfriert. „Bei dieser Art von Leben, das uns die Pandemie abverlangt, verschwindet alles, was warm und weich ist. Disziplinierung, Effektivität und Normierung sind die kalten Gebote unserer Zeit.“ (Maura Morales) Und die Kälte ist allgegenwärtig. In jede Regung, in jede Geste setzt die Macht ihre kühle Spur, kontrolliert und überwacht, straft und diszipliniert, rückt zurecht und richtet ab. Und mehr noch: Sie verführt auch, lockt, fasziniert, treibt an – bis in die letzte Faser hinein vollzieht sie ihr Spiel. Je angestrengter wir versuchen, hinaus zu gelangen, desto tiefer verstricken wir uns. Präludium der Kälte ist auch eine wütende Choreographie, ein verzweifelter, dauernder Kampf um Nähe, um Berührung. Wer gegen die Macht der Normierung, der Effektivität, der Disziplin standhalten will, muss lernen, das Spiel der Ambivalenz zu ertragen. Ohne Sicherheit legt dieses Spiel bloß, liefert sich aus, öffnet sich, rennt fortwährend an gegen die Versteinerung, gegen die Macht der Kälte, gegen die zunehmende Abrichtung unserer Körper.

„Unsere Kultur ist besessen von der Kontrolle über den weiblichen Körper, sie quillt über von Darstellungen unwirklicher, idealisierter weiblicher Schönheit.“ (Laurie Penny) Doch der Körper, im Tanz allemal, ist auch utopischer Nullpunkt: Von hier aus entzündet sich jede Phantasie eines befreiten Anderswo. Und damit übersteigt das Präludium seine scheinbare Ausweglosigkeit, ein Vorspiel, das sich selbst ein hoffnungsvolles Ende setzt. Ähnlich wie Marx einst seine Theorie des Kapitals choreographierte: „Man muss den versteinerten Verhältnissen so lange seine eigene Musik vorspielen, bis sie anfangen zu tanzen.“ „Es sind besondere Tänzer und Tänzerinnen in diesem Ensemble – Wesen aus Stahl und Seide, bereit, die Grenzen ihrer Körper auszuloten und zu überschreiten.“ (Maura Morales) In immer neuen, intensiven Bewegungsformen wird der stolze Kampf um Ermächtigung, um Nähe, Intimität und Anerkennung gegen das Kälte-Prinzip ausgetragen: Unerbittlich, expressiv, atemlos – angetrieben von den unversöhnlichen Beats Michio Woirgardts. Das Ende findet nicht statt, nur die unentwegte Wucht des Tanzes zittert noch nach. Als Hoffnung.

Eintritt: 18 Euro / ermäßigt 6 Euro

Eine Veranstaltung vom LOT-Theater im Rahmen von Tanzstelle Braunschweig
Eine Produktion der Cooperativa Maura Morales in Koproduktion mit Forum Freies Theater- FFT/ Düsseldorf, Ringlokschuppen Ruhr, Pumpenhaus Münster | Tänzer*innen: Simone Elliot, Alice De Maio, Lotta Sandborgh, Matilde Tommasini, Jay Park, Manuel Kiros Paolini | Konzept/ Regie/Choreographie: Maura Morales | Komposition/Livemusik: Michio Woirgardt | Dramaturgie: René Linke | Bühnenbild: Belén Montoliú, Gunter Rubin, Maura Morales | Assistenz: Darwin Díaz, Elisa Marschall | Kostüme: Marion Strehlow | Lichtdesign/Technische Leitung: Grace Morales Suso

Gefördert durch den Fonds Darstellende Künste, durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, sowie durch das Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf
Dieses Projekt war Teil des Residenzprogramm von schloss bröllin e.V., gefördert durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern und der Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Gastspielförderung Tanz, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie den Kultur- und Kunstministerien der Länder.

 

 

 

Tanzstelle Braunschweig wird gefördert von der Stiftung Niedersachsen, der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung, vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, durch die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.

Foto: Klaus Handner