ECHOGEDICHT | Tiago Manquinho

Im Anschluss an die digitale Premiere von ECHOGEDICHT findet um 20:15 Uhr ein digitales Nachgespräch via Zoom statt. Anmeldung möglich unter info@tiagomanquinho.com

 

ECHOGEDICHT

Ein Tanzstück von Tiago Manquinho

Wir rasen durch das Web mit einem ständigen „Ja/Nein-Button“.  Wir suchen nach Informationen, von denen wir annehmen, dass sie relevant sind. So basteln wir eine personalisierte Informationssammlung zusammen und geben konträren Inhalten seltener eine Chance. Gerne werden Algorithmen dafür verantwortlich gemacht. Dabei existieren „Echokammern“, seit es Menschen und soziale Gruppen gibt. Im Alltag sind wir in erster Linie daran interessiert, unserer eigenen Identität gerecht zu werden. Die eigenen Meinungen immer wieder bestätigt wissen, das tut dem Ego gut und wirkt ähnlich wie eine Droge.

Wir schaffen uns ein Gedicht mit all seinen Metaphern und formalen Strukturen, mit seinen Codes und Wiederholungen. Wir genießen die Melodie und Harmonien unserer Erzählung und suchen nach Resonanzen davon in unseren zwischenmenschlichen Interaktionen.

Wie können wir aus unseren „Echokammern” herauskommen und offen sein für die Argumente der anderen Seite? Wie können wir unsere eigenen „Echogedichte“ mit anderen Erzählungen in Einklang bringen und somit eine gemeinsame Wirklichkeit gestalten? Schaffen wir dann nicht wieder eine neue, nur noch größere „Echokammer“? Oder finden wir unsere Verbundenheit erst in der Vielfalt von Erzählungen und Dichtungen?

“Ein Echo bekräftigt nur, was irgendwann bereits gesagt wurde. Wie ein toter Stern wirkt es aus der Ferne präsent, doch in Wirklichkeit fehlen ihm Licht und Leben. Die durch Echos entstehenden Resonanzräume begrenzen die Breite und Tiefe unserer Ansichten deutlich; sie rationieren gewissermaßen die Erkenntnis. Gleichzeitig schmälern sie auch die Einsicht – das, was Geist und Herz miteinander verbindet, über die einsamen Grenzen unseres Denkens hinauszublicken und uns auf andere Menschen einzulassen, ihnen zuzuhören und von ihnen zu lernen. Den einen Resonanzraum gegen den anderen einzutauschen, ist auch keine Lösung. Wir müssen intellektuelle Nomaden werden, immer unterwegs, immer lernbegierig, müssen dem Drang widerstehen, in kulturellen oder geistigen Ghettos zu verharren. Wir sollten weniger Zeit im Zentrum, dafür umso mehr an den Rändern verbringen, denn nur dort ist Bewegung, nur dort entsteht wahre Veränderung.”

(Elif Shafak: “Hört einander zu!”)

In diesem neuen Tanzstück suchen der Choreograf Tiago Manquinho und das Team von act:on nach der Verortung eigener Welten, Erzählungen und deren Echos in sozialen Räumen. Gegensätzliche Realitäten, die sich anziehen und abstoßen, Paralleluniversen in einer begrenzten Raumzeit. Wie die Bergnymphe Echo, die ihre Liebe zu Narziss nicht deklarieren konnte, werden vier „Gedichte“ auf „Felsen“ nachschallen und versuchen einen gemeinsamen Klang zu finden.

Um ECHOGEDICHT uneingeschränkt digital erleben zu können, empfehlen wir dringend Kopfhörer zu benutzen!

Eine Produktion der act:on dance company in Koproduktion der EISFABRIK. e.V. und dem LOT-Theater im Rahmen von Tanzstelle Braunschweig | Choreografie: Tiago Manquinho in Zusammenarbeit mit den Tänzer*innen | Tanz: Francesca Ciaffoni, Sophie Hauenherm, Dominic Santia, Sarah Stanley | Musik: Patrick Schimanski | Bühne und Kostüme: Katharina Andes

„Echogedicht“ wird gefördert von dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Stiftung Niedersachsen, der Landeshauptstadt Hannover / Kulturbüro, der Braunschweigischen Stiftung und der Stadt Braunschweig.

Unterstützt durch den Landesverband Freier Theater in Niedersachsen e.V. und T.A.N.Z. Braunschweig.

Tanzstelle Braunschweig wird gefördert vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, von der Stiftung Niedersachsen und der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung.

(Grafik: Tiago Manquinho)