#6 Für die Menschen, die ich liebe.

Mein Leben sieht ja ungefähr so aus: Furchtlos renne ich in den dunklen Teil des Waldes, stolpere über einen Ast, treffe ein, zwei Riesenspinnen, sage ihnen freundlich guten Tag und lande – rumsdibums – in der peitschenden Weide. Und da hänge ich dann und komme nicht mehr raus und dann merke ich, dass meine Lage offenbar alles anderes als vorteilhaft ist und dann brülle ich ganz laut: „Hallo! Könnte mir mal bitte jemand helfen?“ Und ihr seid gerade beim Sport oder bei der Arbeit oder neben irgendeiner superheißen Person und ihr habt jetzt echt keine Zeit. Aber ich brülle so laut, das könnt ihr gar nicht überhören und vor allem nervt es auch, das Brüllen, und ihr wollt, dass es aufhört und dann kommt ihr und keift die Riesenspinnen an und holt mich aus der peitschenden Weide raus und tragt mich dahin, wo wieder Licht ist. Und dann tätschelt ihr mir die Stirn und streicht mir übers Haar (und das macht ihr auch gern, weil das Haar ist ganz weich) und ihr füttert mich mit Curly Wurly oder Pommes mit Mayo. Und dann grinse ich und ihr grinst auch und ich stehe auf meinen beiden Beinen und mir geht es gut. Und ich laufe durch die Stadt und ich schlürfe einen Karamell-Macchiato und ich denke an nichts Böses und plötzlich stehe ich vor einem Wald. Und dann denke ich: Uh, ein Wald! Und ich setze einen Fuß hinein. Und noch einen. Und es wird ein bisschen dunkler und eine Riesenspinne kommt vorbei und ich sage freundlich guten Tag und ich stolpere über einen Ast und ich falle in den Matsch und irgendwie tut’s weh, aber ich kann ja immer noch lächeln und rumsdibums – ihr wisst schon.

Zugegeben: Das hier ist nicht Hogwarts. Und wir sind auch nicht Ron, Hermine oder Harry. Aber wir sind verdammt nah dran.