#5 06.11.17

 

Dies ist ein sehr verschwommenes Bild meiner besten Freundin Hanna.

Hanna hat heute Geburtstag. Das Doofe daran ist: Hanna ist gar nicht mehr da. Und damit meine ich nicht im Ausland, oder in Berlin oder so. Damit meine ich: Hanna ist gar nicht mehr da.

Denn manchmal im Leben passieren Dinge, die kann sich erst keiner vorstellen. Und dann passieren sie doch und dann weiß man zwar, dass es passiert ist, aber vorstellen kann man es sich trotzdem nicht. Weiterleben ist dann so eine Sache. Man macht es: Einfach, irgendwie. Man zieht es durch. Und man merkt gar nicht, was für einen großen Klotz an Traurigkeit man mit sich herum schleppt. Und der zieht an einem und zieht und zieht und man merkt es nicht. Und man fängt an, zu kriechen durch die Tage, Monate, Jahre und man merkt es nicht. Und wenn man sich schon fast an den Boden und den Klotz und die Traurigkeit gewöhnt hat, passiert etwas Merkwürdiges: Gestern, liebe Hanna, habe ich kurz vergessen, dass heute dein Geburtstag ist. Als hätte jemand meine Schultern hochgezogen und mir den Rücken wieder gerade gebogen und mir den Kopf wieder ganz oben aufgesetzt. Und jetzt krieche ich nicht mehr. Jetzt stehe ich wieder gerade. Und ich tanze und ich lache und der große Klotz ist zu einem kleinem Kieselstein geworden. Und ich vergesse dich nicht, H., ich lasse nur das blöde Arschloch Tod nicht mehr über mein Leben bestimmen. Und irgendwie glaube ich, wäre das ok für dich.

Öffentliche Bekenntnisse sind ja immer so eine Sache, aber an Friedhöfen knien steht mir nicht, also sage ich es Dir hier, in der Hoffnung, ihr habt da oben Internet: Ich liebe dich. Und du fehlst mir. Sehr.